Wie in einem Märchen #5

Die Magie ist tot #5

Folge 4 lesen

Eine Woche lang wartete Lioval, ohne ein Wort des Königs zu hören. Der Magier konnte kaum seine Wut unterdrücken, aber das Spiel hatte er beschlossen, nicht zu spielen. Der König Njall wollte wissen, welchen Mann er vor Ihm hatte. Lioval wurde die Weisheit und die Geduld verkörpern. Der König würde ihm aus der Hand fressen, das heißt, er würde dem Magier mit seinem Leben vertrauen.

Njall beobachtete den Zauberer von seinen Appartements. Er sah ihm in den inneren Garten spazieren, mit den Dienern und mit den Soldaten diskutieren… um die Einsamkeit zu verhindern. Lioval begann sogar in der Stadt zu gehen… Njall hatte daran gedacht, Thorleiff zu seinem Dienst zu lassen, aber es hätte zu viele Interesse seinerseits gezeigt. Und welcher Zauberer wäre er, wenn er nicht auf sich selbst aufpassen konnte? Schließlich beschloss der König, den Lioval am Mittagessen an seinem Tisch einzuladen.

Der Magier seinerseits hatte etwas Anderes vor: Er hatte sich mit einem Kräuterhändler befreundet und wollte dem Mann noch besuchen… aber er konnte seine vorgetäuschte Unterwürfigkeit nicht so schnell aufdecken. So, ging er am Tisch des Königs, mit Zweifel, Neugier und Befürchtung.

„Der Meister Lioval“, meldete der Diener an die Tür.

Njall sah endlich den Mann aus kurzer Distanz. Der Zauberer war ein Mann aus normaler Statur, nicht besonders klein noch schwach wie ein alter Mann. Er war auch nicht besonders alt, oder nicht so alt sah er nicht so aus, auf jeden Fall. Er ging fest und sicher aber nicht überlegend: Der Zauberer sah wie ein weiser, ehrbarer Mann aus.

Und Lioval sah endlich den König. Ein kräftiger Mann, der sich oft zum Kämpfen trainiert, mit dunklem Haar und dunklen Augen. Frauen müssen ihn für gutaussehend finden. Der König verbreitete Stolz und Macht, Lebensfreude und Hartherzigkeit.

Von beiden Seiten gab es Erwartung und Respekt.

„Meister Lioval“, sagte der König. „Entschuldigen Sie mir bitte noch einmal, dass ich Sie nicht früher treffen konnte. Die Sachen des Königreichs dürfen nicht warten.“

„Ich verstehe, Ihre Hoheit“, antwortete der Magier. „Und ich wurde nicht beleidigt.“

„Der Kapitän Thorleiff hat mir berichtet, dass Sie eine gute Reise hatten. Ich hoffe, dass die Zeit, die Sie hier verbracht haben, trotzdem Ihnen ermöglicht hat, Sie auszuruhen.“

„Ja, Ihre Hoheit. Die Reise war reibungslos und ich habe hier die Gelegenheit genutzt, die Burg und Stadt zu besichtigen. Seit langer Zeit habe ich mich von der Welt zurückgezogen, und es freut meine Seele, die Größe der Menschheit sehen zu können.“

„Ihr Wort ist für mich eine Ehre und eine Stolz, Meister. Nehmen Sie bitte Platz. Dann können wir essen“, beschloss der König.

Das Essen war simpel, aber reichlich und es schmeckte. Der König sprach scherzhaft von seinem Königsreich und die aktuellen Sachen. Er fragte Lioval über die Lage in Faud, seine Hütte, seine Arbeit… Und wenn sie geendet hatten, zu essen, stellte er vor, in den Garten zu spazieren. Da würde er schließlich am Punkt kommen, dachte der Magier.

Und Recht hatte er. Njall machte dann keine Umschweife:

„Meister, jetzt muss ich Sie vom echten Grund informieren, wofür ich Sie angerufen habe“, begann Njall. „Ich weiß, dass ich als König vieles ausführen kann, und vieles ausführen will ich. Es gibt aber Grenzen woran, was ein einziger Mann in einem Land des Todes machen kann. Deshalb brauche ich Ihre Hilfe, und ich hoffe, dass Sie mir die Ehre machen werden, eine positive Antwort zu meiner Bitte zu geben.“

„Ich denke auch, wenn ich Ihre Hoheit sehe, dass Ihre Hoheit ein großer König sein wird, aber… ich weiß nicht, was ich für das Werk Ihrer Hoheit machen kann“, antwortete der verworrene Lioval.

„Die südlichen Länder sind zu klein. Ich kann ein großer König werden. Sie sehen es auch, Meister. Ein großer König braucht ein großes, reiches Königsreich… Ich brauche die Königsländer! Und ich werde sie nehmen. Ich plane einen Krieg, aber die andere Fürste und Könige werden alles tun, um mich aufzuhören. Sie werden glauben, dass ich mich nicht von den Königsländern befriedigen werde… Vielleicht würden sie Recht haben… Deswegen brauche ich Sie, Meister… Sie und Ihre mächtige Magie. Dieser Krieg wird auch die Zauberer betreffen. Aber keiner wird besser oder wirksamer sein als Sie. Sie haben schwarze Magie. Das weiß ich. Und sie kann alles. Alles machen, was ich brauche. Sind Sie mit mir, Meister Lioval?“

 

Folge 6 lesen

 

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